Wissenswertes über das Projekt

Projektidee und Situation in Osnabrück

Bewegung, Spiel und Sport sind fester Bestandteil im Alltag vieler Menschen und der meisten Kinder und Jugendlichen. Aus unterschiedlichsten „Beweg-Gründen“ spielen sie oder treiben Sport. Übergeordnetes Motiv ist dabei häufig der Spaß. Diese „Bewegungs-Freude“ ist Ausgangspunkt des Projektes: Spiel und Sport können Geflüchteten Räume im Alltag bieten, die ungewisse Lebenssituation für kurze Zeit hinter sich zu lassen, vergangenes Erlebtes auszublenden und auf andere Gedanken zu kommen. Ihnen soll die Möglichkeit gegeben werden, ihren Bewegungsdrang auszuleben.

In Osnabrück leben aktuell nach Angaben der Stadt (Stand Dezember 2016) ca. 2800 geflüchtete Menschen mit unterschiedlichem Aufenthaltsstatus. Etwa 800 von ihnen werden derzeit in Gemeinschaftsunterkünften u.a. im Stadtgebiet untergebracht. Darüber hinaus wohnen in dezentralen Unterbringungs- und Wohnformen im Stadtraum rund 2000 Geflohene, darunter auch ca. 160 unbegleitete Minderjährige. Wieder andere leben zunächst in einer sogenannten Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Niedersachen im Flüchtlingshaus am Natruper Holz in Osnabrück.

Verschiedene Träger und Initiativen in Osnabrück verfolgen seit einiger Zeit das Ziel, Sportangebote in die Flüchtlingssozialarbeit zu integrieren (vgl. Konzept zur Wohnraumversorgung und Integration von Flüchtlingen der Stadt Osnabrück, 2013). Daran anknüpfend entstand im November 2014 im Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Osnabrück die Idee, ein Praxis-Projekt im Kontext Bewegung, Spiel und Sport mit Geflüchteten zu initiieren und gleichzeitig auch wissenschaftlich zu begleiten.

Seit Anfang 2015 hat die Projektgruppe „Sport mit Osnabrücker Flüchtlingen“, kurz: SmOF, zahlreiche Aktivitäten ins Leben gerufen. Die Gruppe aus Sportstudierenden und anderen ehrenamtlich Tätigen verfolgt mit ihren Angeboten unterschiedliche Ziele.

Projektstart "Sport mit Osnabrücker Flüchtlingen"

regelmäßige Gruppen

Teilnehmer_innen an unseren regelmäßigen Angeboten

Projektziele

dauerhafte und regelmäßige Möglichkeit sich zu bewegen und zu spielen

Partizipation an öffentlichen Sportveranstaltungen

Austausch zwischen beheimateten und geflüchteten Menschen

Auf einer Praxisebene möchte SmOF einen Beitrag dazu leisten,  statusunabhängig geflüchteten Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen eine den Umständen entsprechende geregelte Lebensführung zu ermöglichen. Dazu gehören gerade auch

die dauerhafte und regelmäßige Möglichkeit sich zu bewegen und zu spielen

die Partizipation an öffentlichen Sportveranstaltungen

der Austausch zwischen beheimateten und geflüchteten Menschen im Kontext Bewegung, Spiel und Sport.

Im und durch Sport soll der Fokus auf das Hier und Jetzt gelegt werden: Die geflüchteten Menschen sollen für einen Moment sowohl vergangenes Erlebtes hinter sich lassen können, als auch ihre ungewisse Perspektive.

Da die Projektaktivitäten allerdings keinen einseitigen Prozess darstellen, können diverse Ziele auch an beheimatete Menschen gerichtet werden: Gerade Angebote, die im öffentlichen Stadtraum stattfinden, zeigen den Bürgern, dass Zuflucht suchende Menschen eine gesellschaftliche Realität sind. Viele reagieren mit Interesse auf den Kontakt: „Und wo wohnen die alle?“; „Wo kommen die eigentlich her?“; „Was machen die den Tag über?“; „Dürfen die arbeiten?“. Dieser „Gesprächsstoff“ über Lebenssituation und -bedingungen bietet Potenzial, um die Einstellung gegenüber Geflüchteten positiv zu beeinflussen. Gleichzeitig ist es ein Anliegen, den Geflüchteten zu zeigen, dass sie willkommen sind und ihr Schicksal ernst genommen wird, unabhängig von der kurz-, mittel- oder langfristigen Zukunft.

Die Ziele sollen über verschiedene Aktivitäten im Kontext Bewegung, Spiel und Sport erreicht werden. Gleichzeitig sollen bestehende Angebote aufgegriffen und unterstützt werden, um gemeinsam mit Akteuren aus der Flüchtlingsarbeit und dem (organisierten) Sport langfristig Strukturen zu schaffen, die möglichst flächendeckend und nachhaltig Geflüchteten in Osnabrück ein Angebot darstellen. Bei derzeit rund 3.000 Geflüchteten in Osnabrück können die aktuellen Angebote immer nur einen Teil der Menschen erreichen. Deswegen ist ein weiteres Anliegen, durch eine Ausweitung der Aktivitäten und vor allem durch Zugangsmöglichkeiten zu Sportvereinsangeboten noch mehr Menschen zu erreichen.

Auf Ebene der Projektentwicklung sollen Strukturen geschaffen werden, welche die genannten Handlungsziele dauerhaft, flächendeckend und nachhaltig ermöglichen.

Zielgruppen

Die Angebote richten sich insbesondere an geflüchtete Kinder und Jugendliche. Aufgrund der Konstellation von Geflüchteten in Osnabrück werden jedoch auch verstärkt junge Erwachsene in den Blick genommen, schließlich wohnen viele junge, männliche Geflüchtete in Osnabrück. Die meisten dürfen aufgrund ihres Aufenthaltsstatus und juristischer Vorgaben keiner Arbeit nachgehen. Hier wurde durch den Austausch mit den betreuenden Sozialarbeiter_innen großer Bedarf an entsprechenden Freizeit- und Sportangeboten aufgezeigt.

Die Zielgruppen und Zielsetzungen lassen sich auch hinsichtlich der Art der Unterkunft differenzieren:

In Notunterkünften und in der Erstaufnahmeeinrichtung wohnen sehr viele Menschen auf sehr engem Raum. Ihre Situation ist ungewiss, sie wissen in der Regel nicht, wie lange sie noch vor Ort sind. Hier bietet sich der Sport vornehmlich mit seiner kompensatorischen Funktion an: Sport und Bewegung als Ventil zu nutzen und für eine gewisse Zeit auf andere Gedanken zu kommen.

Für geflüchtete Menschen, die über Monate oder Wochen in Osnabrück verweilen, sollen vor allem auch die integrativen Potenziale des Sports nutzbar gemacht werden: Sport im weiteren Sinne kann Begegnungs- und Bewegungsräume schaffen. Er ermöglicht Teilhabe am kulturellen Leben sowie Kontakt und Austausch mit anderen Menschen.

Der Name der Projektgruppe ist also Programm, es geht um Sport MIT Geflüchteten und nicht ausschließlich FÜR. Das Miteinander und der Austausch im Kontext Sport steht im Vordergrund.

Netzwerkpartner

Für die Angebote im Flüchtlingshaus am Natruper Holz arbeiten wir eng mit der Bildungskoordinatorin der Diakonie vor Ort zusammen.

 

Zentrale Netzwerkpartner:

Die Zusammenarbeit mit der Stadt Osnabrück und dem Stadtsportbund stellt eine zentrale Säule der Projektarbeit dar. Um den Sport langfristig als Freizeit- und Teilhabeangebot für Geflüchtete zu nutzen, stellen die vielfältigen Strukturen und Potenziale des organisierten Sports ein zentrales Element dar. Die Koordinierungsstelle des Stadtsportbundes unterstützt sowohl Vereine als auch interessierte Geflüchtete abei, Zugangswege zu Sportvereinen zu finden. SmOF will über Austausch und Engagement für ein gelingendes Ankommen Geflüchteter in den Sportvereinen unterstützen.

Gemeinsam mit der Koordinierungsstelle Flüchtlingssozialarbeit und dem Stadtsportbund der Stadt Osnabrück (SSB) hat SmOF im Sommer 2015 einen Runden Tisch zum Thema „Sportangebote für Flüchtlinge öffnen“ ins Leben gerufen. Zu einem ersten Austauschabend trafen sich Akteure der Flüchtlingsarbeit und Vertreter des Sports. Ziel war es, den organisierten Sport über die Flüchtlingssituation in Osnabrück zu informieren und gemeinsam mit allen Vertretern ein Netzwerk ins Leben zu rufen, um Angebote für Geflüchtete zu öffnen und neue Angebote zu schaffen. Die beiden folgenden Runden Tische im Herbst 2015 und Sommer 2016 zeigten eine große Bereitschaft Osnabrücker Vereine, sich an der Öffnung des Sportvereinsangebotes zu beteiligen. Die LSB-Veranstaltungsreihe „Vereine für Flüchtlinge“ im Herbst 2016 bot den vielen Verantwortlichen in den Vereinen eine Austauschplattform, wo Erfahrungen geteilt wurden und Unterstützungsbedarfe und weitere offenen Fragen thematisiert wurden. Offensichtlich tragen die enge Verrnetzung und kurzen (Austausch-)Wege Früchte, schließlich bewegen sich  zum Ende des Jahres zahlreiche Geflüchtete im Rahmen von Sportvereinsangeboten. Mittlerweile ist beim Stadtsportbund eine Datenbank entstanden, die die Barriere zwischen Angebot und Nachfrage nochmals reduziert, da sie eine sportart-, alters-. geschlechts- und quartiersbezogene Auswahl und Vermittlung ermöglicht.

Netzwerke schaffen, Synergien nutzen

Um inklusive Strukturen zu schaffen, die Geflüchteten langfristig Teilhabe im Sport ermöglichen, ist im vergangenen Jahr ein Sportlotsen-Konzept entstanden, welches es im Jahr 2017 umzusetzen gilt.  Gemeinsam mit dem Stadtsportbund und der Stadt Osnabrück wurden mögliche Stolpersteine beim Zugang zum organisierten Sport identifiziert. So zeigten Erfahrungen, dass eine persönliche Begleitung das Ankommen im Verein deutlich begünstigt. Mit dem Lotsen-Konzept wurden Abläufe entwickelt, welches interessierten Geflüchteten einen konkreten Ansprechpartner als Bezugsperson im Rahmen des Erstkontaktes zu einem Sportverein an die Seite stellt.  Die Ehrenamtlichen werden dabei durch die Freiwilligenagentur und ein Sportlotsen-Starter-Kit auf ihr Engagement vorbereitet und währenddessen unterstützt. Inwiefern die Idee des Sportlotsen die tatsächlichen Bedürfnisse geflüchteter Menschen, die Sport treiben möchten, aufgreift und ob die Anbahnung an den organisierten Sport erfolgreich verläuft, wird im Laufe des Jahres 2017 zu prüfen sein.

Ebenfalls gemeinsam mit dem Stadtsportbund wurde 2016 eine Übungsleiter-C-Qualifizierung auf den Weg gebracht, die vorrangig geflüchtete junge Erwachsene anspricht, die sich in (Vereins-)Sportgruppen engagieren. Der Lehrgang stellt die konsequente Fortführung einer auf Teilhabe ausgelegten Arbeit aus: Wenn Zugänge geöffnet und Zugangsbarrieren erleichtert werden sollen, so gilt dies auch für Qualifizierungsmaßnahmen. Gleichzeitig können die ausgebildeten Übungsleiter_innen wiederum in den Vereinen selbst die Arbeit unterstützen und bereichern.

Darüber hinaus arbeiten wir mit weitere Partnern zusammen, um die vielfältigen Projektaktivitäten zu realisieren: Die Gestaltung von Spiel- und Begegnungsfesten, der Besuch von Sportveranstaltungen, die Sammlung von Sportkleidung und vieles mehr wäre ohne die Kooperation mit Vereinen und Institutionen in dieser Form nicht möglich.

FreizeitFürFlüchtlingskinder e.V.

Parkour, Spielfest, Uni-Liga, umA, Austausch

Artland Dragons

Besuch von Sportveranstaltungen

Handballabteilung der TuS Bramsche e.V.

Besuch von Sportveranstaltungen

GiroLive Panthers Osnabrück (OSC)

Besuch von Sportveranstaltungen, Kleiderspenden
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