Über die Projektentwicklung

Projektstruktur und -entwicklung

Ein besonderes Merkmal von SmOF ist, dass das Projekt unmittelbar in der Praxis entstanden ist und sich konzeptionelle Gedanken erst in der Folge auf Basis von Erfahrungen in und mit den einzelnen Aktivitäten entwickelt haben. Dies ist sowohl der Unmittelbarkeit und Aktualität der Situation geschuldet, als auch der Tatsache, dass zu Beginn der Arbeit Ende 2014 Konzepte für Sport mit geflüchteten Menschen eine Seltenheit darstellen. (Eine spannende Ausnahme stellte schon damals das Pilotprojekt „Sport mit Geflüchteten“ der Sportjugend Hessen dar).

Ausgewählte Aktivitäten im Rahmen des Praxisprojektes werden von Mitarbeiter_innen des Institutes für Sport- und Bewegungswissenschaften wissenschaftlich begleitet. In Zusammenarbeit mit der Flüchtlingssozialarbeit und dem organisierten Sport wird eine Projektentwicklung vorangetrieben, um ein breites Sportangebot sowie nachhaltige Strukturen, welche Geflüchteten Partizipation ermöglichen, zu schaffen.

Ein Zugang für geflüchtete Menschen zu neugeschaffenen oder bestehenden Spiel- und Sportangeboten erfordert andere Voraussetzungen. Sowohl sprachliche Hürden, als auch kulturelle Unterschiede und nicht zuletzt mangelnde Ortskenntnis stellen auf struktureller Ebene Herausforderungen dar.

Aus unserer Sicht sind Strukturen, Kommunikation und Engagement die zentralen Säulen, damit Bewegung, Spiel und Sport nachhaltig die Flüchtlingssozialarbeit unterstützen kann:

Säulen_neu

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Zentrale Fragen für die beteiligten Akteure

Wer hat Interesse an welchen Bewegungs-, Spiel- und Sportangeboten?

Wo können neue Angebote entstehen?

Wie können Geflüchtete diese erreichen?

Wer bietet was an?

Besteht Finanzierungsbedarf?

Wenn ja: Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?

Welche besonderen Kompetenzen braucht es für die Durchführung eines Angebotes?

Dies erfordert neben der direkten Kommunikation mit den geflüchteten Menschen (in den Sprechstunden der Sozialarbeiter, in den bestehenden Sportgruppen, etc.), entsprechende Absprachen der im Hintergrund handelnden Akteure. Im Falle von SmOF hat sich ein Kommunikationsgeflecht mit dem organisierten Sport, der kommunalen Flüchtlingssozialarbeit sowie mit anderen Einzelinitiativen ergeben.

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Osnabrücker_Modell_Grefik

         Netzwerk – Zugänge schaffen

Im Sommer hat SmOF mit den anderen Akteuren einen „runden Tisch“ ins Leben gerufen, um den Austausch zwischen den Stellen zu institutionalisieren. Um langfristig die Koordinierung von „Angebot-Nachfrage“ auch für eine große Zielgruppe zu sichern, bietet sich als Schnittstelle ein „Sportkoordinator“ mit entsprechendem Aufgabenprofil an:

Ansprechpartner für sportinteressierte Geflüchtete

Ansprechpartner für Kommune und Flüchtlingssozialarbeit

Ansprechpartner für Sportvereine und offene Sportgruppen

Ansprechpartner für Übungsleiter (Weiterbildung)

Ansprechpartner für Spender (Kleidung, Material)

Mit der Einsetzung einer Koordierungsstelle für Vereinssportangebote hat der Stadtsportbund Osnabrück hier wesentliche Funktionen übernommen. Diese Institutionalisierung von Zuständigkeit und Ansprechbarkeit hat dafür gesorgt, dass die Angebotsstrukturen sich im Jahre 2016 immer weiter gefestigt und ausdifferenziert haben, sowie die Unterstützung der mitmachenden Vereine sichergestellt war. Auch wenn noch keine genaue Zahlen vorliegen, kann davon ausgegangen werden, dass mehrere hundert Menschen mit Fluchtgeschichte in Osnabrück an (organisierten) Sportangeboten teilnehmen. Dabei kommen alle Zielgruppen (Kinder, Jugendliche, Frauen, Männer) und unterschiedliche Sportarten in den Blick. 

Projektevaluation

Mit Aufnahme der Aktivitäten im Januar 2015 hat gleichzeitig bereits die Projektevaluation begonnen. Von Interesse sind zentrale Besonderheiten (sprachliche, kulturelle, religiöse Unterschiede), organisatorische Herausforderungen (Nachfrage-Angebot, Materiell-räumliche Ressourcen, etc.) sowie methodisch-didaktische Fragen. Aktuell stehen folgende Aspekte im Fokus:

Was braucht es für Spiel- und Sportangebote (persönliche, räumlich-materielle, methodische Ressourcen)?

Welche Bedeutung haben die Spiel- und Sportangebote für Geflüchtete?

Wie verändert sich die Rolle von Betreuenden / Übungsleitenden?

Welche methodisch-didaktischen Kompetenzen sind nötig?

Wie kommen Geflüchtete in Vereine?

Mit welchen Herausforderungen sehen sich Übungsleitende konfrontiert?

Auf diesem Wege sollen Gelingensbedingungen identifiziert werden, die sowohl in die Planung und Gestaltung zukünftiger Projektaktivitäten, als auch in die Projektentwicklung einfließen.

Aktuell werden folgenden Fragestellungen verfolgt: 

Warum bringen sich (junge) Menschen ehrenamtlich in die Flüchtlingssozialarbeit ein? Inwiefern schreiben sie Bewegung, Spiel und Sport dabei besondere Potenziale für die Flüchtlingssozialarbeit zu? Welche Erfahrungen machen sie in ihrer Arbeit mit geflüchteten Kindern?

# Im Anschluss an ein Spielfest wurde eine schriftliche Befragung von Helfer_innen und Helfern (n=15) durchgeführt. Die Antworten werden mittels  zusammenfassender Inhaltsanalyseausgewertet.

Einen Bericht gibts HIER

Inwiefern eignet sich das Setting einer Uni-Liga, um Integration und Teilhabe zu ermöglichen? Welche Integrationspotenziale deuten sich im Rahmen einer Teilnahme an einer Fußballfreizeitliga im Besonderen an?

# Auf Basis theoretischer Überlegungen zu Integration und Teilhabe wurden zentrale Zielformulierungen von SmOF sowie Erkenntnisse aus der sportpädagogischen/-soziologischen Forschung in Hypothesen überführt. Mithilfe eines Fragebogens wurden 120 Teilnehmer_innen der Uni-Liga Osnabrück, darunter 10 Spieler mit Fluchterfahrung, befragt. Die Daten werden deskriptiv- und inferenzstatistisch ausgewertet.

Was sind Gelingensbedingungen eines  Spielnachmittages mit geflüchteten Kindern, die temporär in einer Massenunterkunft leben?

# Auf Basis konzeptioneller Gedanken des Freispiels wurde ein regelmäßiges Angebot in einer Erstaufnahmeeinrichtung durchgeführt. Mithilfe von Experten-Interviews mit Angebotsleitenden (n=3) sowie einer teilnehmenden Beobachtung wurde das Angebot evaluiert, mit dem Fokus zentrale Gelingensbedinungen für das besondere Setting zu identifizieren.

Einen Bericht gibt es HIER

Sowohl die Erfahrungen im Praxisprojekt, als auch der Austausch mit den Projektpartnern hat zu  einem Konzeptentwurf Sport mit Geflüchteten geführt, der neben einer Partizipation am Angebot von Sportvereinen auch auf eigene Sportgruppen setzt. Sowohl die ungewisse Bleibeperspektive als auch strukturelle Hürden (sprachliche Kommunikation, Informationsaustausch, etc.) erschweren einen flächendeckenden Zugang zu Sportvereinen. Reine Sportgruppen für Geflüchtete können hier kurzfristig Abhilfe schaffen. Aus diesen Gruppen können dann mittelfristig interessierte Sportlerinnen und Sportler an den Vereinssport herangeführt werden. Erfolgreiche Beispiele bei SmOF verdeutlichen dies. Langfristiges Ziel sind also inklusive Strukturen, welche Geflüchteten mit (vorübergehenden) Aufenthaltsgenehmigungen Partizipation zu öffentlichen Sportangeboten ermöglichen.

Erfahrungen teilen

Zur (Weiter-)Qualifizierung von Übungsleitenden – sowohl für Flüchtlingssportgruppen, als auch im Vereinssport – oder Lehrkräften ist ein Workshop-Konzept entstanden, welches folgende Aspekte aufgreift:

  1. die sprachliche Hürde, die so hoch gar nicht ist;
  2. kleine Spiele ohne viele Worte;
  3. Sport und Interkulturalität;
  4. die Bedeutung von Material und Umgebung;
  5. Sport und Traumapädagogik.

Der Workshop wurde erstmals am 11. Februar 2016 am Sportinstitut der Universität Osnabrück durchgeführt.

Bei verschiedenen Fachveranstaltungen wurde über die Aktivitäten von SmOF berichtet, sowie sich mit anderen Initiativen und Institutionen ausgetauscht und vernetzt. Beim 10. Kongress „Bewegte Kindheit“ wurden im Rahmen eines Forums sowie eines Praxisworkshops die Erfahrungen aus der Projektarbeit geteilt und gemeinsam diskutiert. Bei der  DFB-Konferenz „Im Fußball zu Hause – Flüchtlinge im Fußballverein“ im März 2016 in Dortmund wurden die entstandenen Netzwerkstrukturen in Osnabrück vorgestellt und darüberhinaus in vielen Gesprächen diskutiert, welche Chancen und Möglichkeiten dem Sport in der Integrationsarbeit zugeschrieben werden. Bei weiteren Veranstaltungen (Tagungen, Markt der Möglichkeiten, Info-Veranstaltungen) konnten die Erfahrungen der Projektarbeit geteilt und andere Initiativen kennengelernt werden.

Am 27. März 2017 hat die Arbeitsgruppe von Frau Prof. Dr. Renate Zimmer eine Fachtagung zum Thema „Bewegung schafft Begegnung – Bewegung, Spiel und Sport mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen“ im Schloss der Universität Osnabrück veranstaltet, die unmittelbar aus den Aktivitäten der Projektgruppe heraus entstanden ist. Den Flyer gibt es hier.

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